Buchrezension: »Brennende Wahrheit«

Nach einer Pause wird es nun Zeit, wieder das Thema “Hegaukrimis” aufzugreifen. Diesmal in Form einer Rezension des Buches “Brennende Wahrheit” von Monika Küble. Das Interessante ist, dass es sich um einen historischen Krimi handelt, der in Radolfzell spielt. Viel Spaß beim Lesen.

Buchrezension: »Brennende Wahrheit«
Ein historischer Bodensee-Roman

Ist das neue Buch von Monika Küble nun ein historischer Roman, bei dem die Radolfzeller Geschichte im Mittelpunkt steht, eingebettet in eine nette Story? Oder handelt es sich eher um einen spannenden, unterhaltsamen Krimi? Diese Frage ist einfach zu beantworten: Monika Küble ist beides gelungen.

Die Autorin lässt den Leser zu Beginn der Story in das Jahr 1689 abtauchen. Dort verschwindet in Radolfzell ein Mädchen spurlos aus einem adeligen Haushalt. Die Schulmeisterin Eleonora Sernatinger schreibt daraufhin einen Brief an den Bischof von Konstanz, doch dieser kommt niemals an.

Binnen Sekunden ist der Leser in das mittelalterliche Radolfzell abgetaucht. Besonders anschaulich beschreibt küble in kurzen Worten und fast nebenbei das Aussehen und die Stimmung der damaligen Stadt und Leute. Und gerade das macht das Buch so interessant und lehrreich. Denn der Autorin gelingt es, auf seitenlange Beschreibungen zu verzichten, die den Fluss und Handlungsablauf stören könnten.

Unheimliche Begegnungen

»Wo soll ich sie hinbringen?«, fragte Theopont, während er den Sack mit der Leiche verschnürte.

»Das fragst du mich? Ich hab dich doch auch schon auf dem Friedhof gesehen, wo du den Totengräbern zur Hand gegangen bist! Bring sie dorthin. Zu Sankt Jakob.«
»Ich kann die Stadt in der Nacht nicht einfach verlassen«.
» Und auf der neuen Schanze? Dort wird gebaut, sie schütten die Wälle auf.« »Das ist auch außerhalb der Stadt.«
Der Schwarze wurde langsam ungeduldig. »Dann geh zum Kirchhof neben dem Münster.«
»Warum begrabt Ihr sie nicht einfach hier in Eurem Keller?«
»Bist du närrisch? Ich will doch keine Leiche im Keller haben!«

 Von solchen Szenenbeschreibungen lebt das Buch, lebendig, mit kleinen Streifzügen durch die Stadt.

 Die Story steht bei Küble immer im Vordergrund. Dass sie nebenbei Bilder von Personen erzeugt und dabei detailreich die damaligen Gebäude beschreibt, fällt kaum auf. Der Vergleich mit einer guten Küche drängt sich auf, bei dem die Gäste feststellen, dass das Essen richtig gut schmeckt, aber einzelne Zutaten nicht herausschmecken, weil die Zusammenstellung der Gewürze und sonstigen Zutaten miteinander harmoniert.

Die eigentliche Geschichte beginnt 200 Jahre später. Der nicht nur im Hegau berühmte Dichter Joseph Victor von Scheffel findet bei seinen Recherchen den Brief an den Bischof im Pfarrarchiv. Er ist fasziniert von der Geschichte und will einen historischen Roman daraus machen. Als nach einem Feuer die bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leiche einer jungen Frau auftaucht, ist Scheffel überzeugt, dass es sich um dieses Mädchen handelt. Doch in Radolfzell ist gerade ein Dienstmädchen unter ungeklärten Umständen verschwunden. Der Dichter Scheffel entwickelt nun einen detektivischen Spürsinn.

Mutige Wege

Die Autorin geht mutig neue Wege, um die Radolfzeller Geschichte lebendig zu machen. So beginnt im zweiten Teil des Buches jedes Kapitel mit einem Auszug aus der »Freien Stimme«, der damaligen Tageszeitung. Somit kennt der Leser das Datum, an dem sich die Geschichte gerade befindet. Er erfährt durch die kurzen Artikel und den Werbungen der damaligen Zeit den entsprechenden Zeitgeist. Interessant sind die Kleinanzeigen, die Küble auszugsweise veröffentlichte und diese in ihre Geschichte raffiniert einbaut. Oft kann man den Kleinanzeigen entnehmen, dass »ein ordentliches Mädchen, das in den häuslichen Arbeiten gewandt ist«, gegen guten Lohn gesucht wird. Küble wiederum beschreibt die Dorfgespräche, die sich darüber auslassen, dass »heutzutage« die jungen Mädchen viel lieber in die Fabriken der Allweiler und der Schiesser zum Arbeiten gehen.

Genau das macht es so interessant, auch die Kleinanzeigen und Zeitungsberichte zu studieren, auch wenn Sie unmittelbar mit der eigentlichen Romangeschichte nichts zu tun haben. Aber sie helfen, noch tiefer in die damalige Zeit abzutauchen.

Mutig ist die Autorin auch, weil Sie aus dem berühmten und schon damals äußerst erfolgreichen Dichter Joseph Victor von Scheffel einen Detektiv macht. Raffiniert stellt sie ihn so dar, dass sein historisches Erbe dabei nicht verfälscht wird. Scheffel ist und bleibt zweifelsohne ein Dichter.

Der Roman ist durchgehend spannend. Hin und wieder findet man Pointen, die zum Schmunzeln einladen. Allerdings geht es bei den toten Mädchen um persönliche Schicksale, die den Leser aufgrund treffend gut beschriebener Situationen betroffen machen.

Lebhafte Szenen

»Über dem Rad prangte am weißen Aufbau in goldenen Lettern der Schriftzug »Kaiser Wilhelm«. Aus dem Kamin quollen die schwarzen Rauchwolken des Kohlefeuers. Menschen standen an der Reling, ähnlich festlich gekleidet wie zuvor in den Booten. Die Damen hatten wegen des Fahrtwinds ihre Hüte mit Bändern unter dem Kinn vertäut, sie winkten mit weiß behandschuhten Händen zu Rosa und Zeno herüber oder hielten sich verlegen lachend die Hand vor den Mund, während einige Männer ihre Kopfbedeckungen zum Gruße schwangen mit eindeutigen Handbewegungen die Umstände kommentierten, in denen das Liebespaar ertappt worden war.

Rosa hielt sich mit beiden Händen an der Sitzbank fest, um nicht ins Wasser zu fallen. Sie war froh, als sie etwas Abstand gewonnen hatten. Ihr war die Situation peinlich, außerdem war es spät geworden. »Lass uns zurückfahren!« Zeno legte sich in s Zeug und brachte sin in weniger als einer halben Stunde an den Steg von Radolfzell zurück. Dort verabschiedeten sie sich mit einem letzten raschen Kuss, dann half er seinem Mädchen aus dem Boot. Es gab ihm einen Stich, dass er sie nun zwei Wochen lang nicht mehr sehen würde. Seufzend packte er den Korb mit Wein und Kuchen zusammen, die sie nicht angerührt hatten. Er tröstete sich damit, dass sie seinen Anhänger trug.«

Ungewöhnlicher Buchaufbau

Monika Küble beschreibt zwar im Nachspann des Romans den Dichter Viktor von Scheffel als humorbegabten, selbstironischen zärtlichen Liebenden, »der sein Leben lang die scheinbar hoffnungslose Liebe nicht aufgegeben hat und schließlich dafür belohnt wurde«. In der eigentlichen Geschichte lässt sie ihn allerdings nicht besonders humorvoll auftreten. Umso mehr erscheint er im Roman als freundliche, geachtete, von der Bevölkerung respektierte Person.

Küble veröffentlicht meist am Ende eines Kapitels Briefe von Scheffel an seine geliebte Cousine, bei der die zärtlichen liebenden Eigenschaften des Dichters anschaulich beschrieben werden.

Der Leser merkt schnell, dass er gerade einen Roman einer auf diesem Gebiet sehr professionellen Autorin verschlingt. Immerhin hat die Autorin neben Germanistik und Romanistik auch Kunstgeschichte studiert. Neben Publikationen zu oberschwäbischer Literatur und italienischer Architektur hat sie unter dem Pseudonym Helene Wiedergrün drei Oberschwabenkrimis geschrieben: »Der Tote in der Grube«, »Der arme schwarze Kater« und »Blutmadonna«. Gemeinsam mit Henry Gerlach hat sie den Konzilroman »In nomine diaboli« veröffentlicht sowie »Das Geheimnis der Ordensfrau«. Dabei ist sie sehr eng mit dem Gmeiner-Verlag verbunden.

Das Buch »Brennende Wahrheit« ist ebenfalls im Gmeiner-Verlag erschienen, als Taschenbuch rund 200 Seiten stark und kostet 15,00 Euro.

Wie Florian Horn entstand …

Der Hohentwiel, ganz rechts

„Wer schreibt, der bleibt“, ist eine der wichtigsten Empfehlungen eines jeden guten Ingenieurs. Hauptberuflich schreibe ich daher sehr viel. In aller Bescheidenheit: – auch sehr gut. Meine Berichte, Gutachten, Stellungnahmen, Projektreports, technische Anleitungen und was sonst noch so anfällt, finden immer Beachtung. Oftmals werde ich gebeten, etwas zu schreiben, obwohl es nicht direkt mein Aufgabengebiet betrifft.
Doch es quälte mich die Frage, ob ich es schaffen könnte, komplexe Zusammenhänge auch spannend und für den Leser fesselnd zu schreiben. Berichte und Stellungnahmen sind ohne Frage auch komplexe Dokumente. Aber sie sind nicht unbedingt mit einem Spannungsbogen versehen.

Zum Schreiben

Im Internet entdeckte ich ungefähr 2014 das Freeware-Schreibprogramm „ywriter“, eine erstaunlich professionelle Autorensoftware.Von Anfang an gewöhnte ich mir an, für jeder Szene einen Konflikt und eine zugehörige Lösung zu definieren. Genau deswegen half mir die Software, dass jede Szene spannungsgeladen war. In jede Szene muss ein zu lösender Konflikt entwickelt werden.

Die Charaktere

Interessanterweise trat genau das ein, was sich ein Schriftsteller nur wünschen kann: Meine Charaktere begannen ein Eigenleben zu führen. Während des Schreibens entwickelten sie sich zu richtigen Persönlichkeiten, die manchmal auch das taten, was ich eigentlich gar nicht wollte. Beispielsweise besuchte mein Kommissar Florian Horn in Singen die Moschee. Ich persönlich wollte das gar nicht, denn ich hatte keine Ahnung, wie es in dieser Moschee aussieht und hatte mich auch noch nicht mit der Kultur der Moscheenbesucher auseinandergesetzt. Trotzdem setzte Florian seine Ermittlungen in dieser Moschee fort und ich als Autor war nun in der Pflicht, mir alle Informationen zu beschaffen, um eine authentische Geschichte schreiben zu können wie etwa das Aussehen, die Besucher, die Gebetszeiten usw. Das war vielleicht spannend. Ohne Florian Horn hätte ich mich nie mit diesem Thema befasst.

Der Hohentwiel, ganz rechts

So entstand langsam aber unweigerlich der Roman „Der Hohentwiel, ganz rechts“. Die Geschichte ist davon geprägt, dass zum Entstehungszeitpunkt der NSU-Skandal und der Prozess um Beate Zschäpe ganz oben in den Schlagzeilen war. Ich persönlich bin auch der Meinung, dass unser Staat – na ja nicht gerade auf dem rechten Auge blind – aber doch zumindest ein etwas unschärferes Auge hat. Das ist genug Stoff, um eine spannende Geschichte in den Hegau hinein tragen zu können.

Verstärkung der Hegauer Kripo

Verstärkung der Hegauer Kripo

Zunächst die gute Nachricht: die Straftaten im Kreis Konstanz sind weiter rückläufig. Das berichtet der Leiter der Polizeidirektion, Uli Schwarz.

Vermehrt Drogen und Rocker in Singen

Und nun die schlechte Nachricht: Singen erlebt eine gegenläufige Entwicklung. Trotz starker Präventionsarbeit der Stadt und der Polizei ist es nicht möglich, den Singener Drogendealern das Handwerk zu legen. Gerade durch die Grenznähe zur Schweiz entwickelt sich Singen immer mehr zum Drogenumschlagplatz. Ebenso entstehen immer mehr Probleme mit einschlägigen Rockertruppen und Waffen. Die Gewaltbereitschaft steigt. Längst sind wir aus dem Stadium heraus, wo sich nur die Rockergruppen untereinander bekriegen. Diese Banden brauchen Geld, welches sie sich auf illegalen Wegen beschaffen.

Zunehmende Armut wird die Kriminalitätsrate anheben

Armut steigt in Singen
Armut steigt in Singen

Zuletzt sorgt noch eine gerade veröffentlichte Statistik für weitere Sorgen: die Armut in Singen wird immer weiter zunehmen, allem voran die Altersarmut und die Armut geschuldet durch Harz IV. Statistisch gesehen kann man daraus ableiten, dass damit auch die Kriminalität steigen wird. Diebstähle werden so sicher zunehmen, wie der Pfarrer in der Kirche das „Vater Unser“ betet. Dabei sind Diebstahlsdelikte für die Polizei lediglich Bagatelle, im Vergleich zu dem, was sonst an Kriminalität durch Armut einhergeht. Je nachdem, wie sehr die Armut um sich greifen wird, muss damit gerechnet werden, dass in zunehmendem Maße Geld versucht wird, zu erpressen. Letztendlich kann das so weit gehen, dass – statistisch gesehen – auch Totschlag und Mord zunehmen wird.

Polizei versucht, gegen zu steuern

Natürlich versucht die Polizei, Präventionsmaßnahmen zu ergreifen. “Die Lage ist besorgniserregend“, befürchtet Hegaukrimis.de. Die Singener Polizei verstärkte daher in den letzten Jahren folgerichtig ihr Personal und ihre technische Einrichtung massiv. So wurde nicht nur das Sondereinsatzkommando „Chapter“ gegründet, das sich mit den Rockergruppen befasst, sondern auch die Mordkommission wurde personell aufgestockt.

Verstärkung der Mordkommission durch KK Horn

Besonders stolz ist die Polizeiwache auf den neu hinzugekommenen Kriminalkommissar Florian Horn. Horn absolvierte vor drei Jahren sein Studium als Jahrgangsbester und konnte inzwischen Erfahrungen in Städten mit sozialen Brennpunkten wie beispielsweise in Mannheim und Stuttgart sammeln. Er wird in die Fußstapfen seines Vaters treten, der seit drei Jahrzehnten der Mordkommission in Singen dient. “Wenn ich in fünf Jahren in Rente gehe, wird man Sohn Florian so weit sein, dass er mich voll und ganz ersetzen kann“, erzählt uns stolz der Kriminalhauptkommissar.

Wir können nur hoffen, dass der Kriminalhauptkommissar Recht behält und dass die Polizei insgesamt die Statistiken richtig bewertet und die notwendigen Maßnahmen entsprechend ableitet und zielgerichtet umsetzt. Wir dürfen gespannt sein.

Bombenattentat in Singen

Bombenattentat in Singen

“Bombenattentat in Singen” ist ein Fall, der zum Glück in recht kurzer Zeit aufgeklärt werden konnte. Dabei ermittelt Kriminalkommisar Florian Horn gegen Unbekannt. Ein Anschlag, genau dort, wo das neue CANO – ECE Einkaufszentrum entstehen soll, verübte der Täter ein Bombenattentat.

Horn ist überrascht, in welche Richtung die Spuren führen. Mit diesem Täter hatte er so überhaupt nicht gerechnet.

Der Fall liegt schon fast zwei Jahre zurück, die Akten zu dem Fall wurden aber nun freigegeben.

Sie können diesen Kurzroman entweder als PDF herunter laden oder sie lesen ihn online:

Download: Bombenattentat in Singen – Uwe Johnen

Online Version

[Rezension] – Abgründe: Wenn Menschen zu Mördern werden

Der Autor Wilfling und seine Abgründe

Authentisch bis zum geht nicht mehr. Das Buch „Abgründe – wenn aus Menschen Mördern werden“ von Josef Wilfling erzählt in kurzen Episoden aus dem Leben eines Ermittlers.  Nachdem Wilfling 2009 nach 42 Jahren Polizeidienst in Pension gegangen war, schrieb er bis heute drei Bücher über seine Fälle, die er als Ermittler verantwortete. Dabei kann er auf insgesamt 22 Jahre Erfahrungen als Leiter der Mordkommission zurückgreifen. Auch auf Erfolge: Er klärte als Starermittler und Verhörspezialist die durch die Öffentlichkeit verfolgten, medienwirksamen Mordfälle Sedlmayr und Moshammer auf. In seinen Fällen verhörte er Hunderte Kriminelle. Rund 100 Fälle von Mord und Totschlag bearbeitete er mit einer Aufklärungsquote von nahezu 100 Prozent. Daher wirken seine Erzählungen so authentisch.

Über das Buch

Das Buch ist als Taschenbuchausgabe, als E-Book und auch als Hörbuch erhältlich. Erschienen ist sein Buch 2010 im Heyne – Verlag. Die gebundene Ausgabe enthält rund 300 Seiten und kostet 16 Euro. Die e-Book-Version ist schon für 8 Euro zu haben.
Wilfling deckt in seinem Buch „Abgründe“ die spannendsten und erstaunlichsten seiner Fälle auf und geht der Frage nach, wie und warum Menschen zu Mördern werden. Doch er zeigt nicht nur, wo das Böse seinen Ursprung hat, sondern beantwortet auch Fragen wie: Töten Frauen anders als Männer? Wie verhält sich ein Unschuldiger? Woran erkennt man einen Lügner?
Sein Buch ist in Anlehnung an die sieben Todsünden aufgebaut. So beschreibt er zu jedem Mordmerkmal einen Fall. Dabei unterteilt er seine Fälle in Themen wie Grausamkeit, Heimtücke, Mordlust, Perversitäten, Verdeckung, Leichenzerstückelung, Wollust, Gemeingefährlichkeiten oder Habgier.
Abgründe - Wenn aus Menschen Mörder werden
Josef Wilfling – Abgründe

Über den Inhalt

Zu Beginn des Buches hatte ich auf den ersten Seiten den Eindruck, dass der Autor im Schreiben noch nicht geübt ist. Denn der Anfang wirkte auf mich etwas holprig geschrieben. Vor allem irritierten mich für mich zu lang geratene Bandwurmsätze wie beispielsweise: „Die unmittelbare Wohnungsnachbarin, eine ältere Dame, hatte liebevoll ihren Arm um Annabella W. gelegt, die auf einem Stuhl neben ihrer geöffneten Wohnung saß, eingehüllt in eine warme Wolldecke.“ Das ist einfach nicht der Stil, den ich gerne lese. Doch dieser Eindruck legte sich schnell. Alles in allem gewöhnte ich mich schnell an seinen Schreibstil. Bandwurmsätze waren in den weiteren Textseiten kaum mehr vorhanden oder sie brachten mich zumindest nicht aus dem Lesefluss.
Dafür irritierte mich an manchen Textstellen eine regelrechte Fragekasskade, wie beispielsweise im Kapitel „Habgier“ geschrieben:
Die erste in Höhe von 1000 Euro bereits am Mittwochmorgen um 6.00 Uhr, also am 17. Juli. Was sollte das? Warum sollte sie morgens um 6.00 Uhr Geld abheben, wenn sie doch 140 000 Euro Bargeld besaß? Und wo soll sie sich in dieser Woche aufgehalten haben? In ihrer Wohnung war sie jedenfalls nicht gewesen. Dort war ja seit ihrem Verschwinden pausenlos angerufen worden und nie wurde abgehoben. … War sie bei Thomas geblieben, in dessen winzig kleinem Appartement? Eine letzte Liebeswoche sozusagen? Oder hatte ein anderer das Geld abgehoben? Aber wie war diese(r) Unbekannte an die EC-Karte einschließlich der Geheimnummer gekommen? Oder war es doch Thomas? Oder doch ein Fremder?
Wilflinger versucht seine Fälle als neutraler Beobachter, als neutraler Ermittler zu erzählen. Doch sind für ihn die Abgründe so tief, dass er sich hin und wieder zu Kommentaren hinreißen lässt:
Und warum will man nicht erkannt werden? Weil man Dreck am Stecken hat. Warum denn sonst?
Diese Kommentare tun gut. Sie beleben die Fälle, sie erzeugen Spannung. Sie machen das Buch zu einem authentischem Werk. Der Leser merkt, wie wichtig es Wilfling während seiner Dienstzeit war, seine Fälle zu lösen.
Als Leser hat man auf jeden Fall das Gefühl, mittendrin zu sein. Man merkt schnell, was Wilfling mit seinem Buch bezweckt. Der Autor möchte Fälle darstellen, die das normale Maß sprengen. Beispielsweise wirft Wilfing die Frage auf, wie jemand auf die Idee kommen kann, seinem Opfer einen Besenstiel durch den Mund in den Hals zu rammen. Oder er erzählt von einem Polizeikollegen, der aus Habgier mit einer Axt zwei Menschen bei lebendigem Leib aus purer Habgier enthauptet hat. Anschließend war der Mörder zu seinem Betriebsausflug gegangen. Das sind genau die Fälle, die Wilfling unter Abgründe versteht.
Wilfling vergisst nicht darzustellen, mit welcher Überlegung und mit welchem Trick er es geschafft hat, die Mörder zu entlarven. Interessanterweise ist es für ihn nicht wichtig, Lügen und Widersprüche in Antworten zu finden, die die Verdächten bei Befragungen geben. Damit verfolgt er einen ganz anderen Ansatz als Phil Housten, dessen Buch „Erkenne den Lügner“ ich zuletzt rezensiert hatte. Wilfling beschreibt mehrfach, dass Beschuldigte entweder die Aussage verweigern oder sogar lügen dürfen. Da der Autor davon ausgeht, dass in jeder Lüge auch eine Halbwahrheit steckt, ist Wilfling auf für Lügen dankbar.
Schade allerdings, dass Wilfling einen Fall komplett ausblendet, obwohl dieser ungeheuer populär in den Medien berichtet wird: Den Fall der rechtsextremistischen Gruppierung “NSU” und die dazugehörige gerade angeklagte Beate Zschäpe. Ein Jahr nach Veröffentlichung seines Buches “Abgründe” wird Wilfling als Zeuge von einem Untersuchungsausschuss vernommen werden. Und Wilfling wird die Aussage machen, dass die Polizei und er als Verantwortlicher einfach nicht daran gedacht haben, dass es sich bei den Anschlägen der NSU um rechtsradikale Anschläge habe handeln können. Einfach nicht daran gedacht. Das wirkt auf mich äußerst befremdlich, zeigt er doch in seinem Buch, dass er durchaus in der Lage ist, an alles denken zu können.
Doch das Fehlen des Falles der “NSU” tut dem Buch keinen Abbruch. Ein lohnendes Buch für alle, die gerne den Nervenkitzel des reellen Bösen mögen. Es ist ein lohnenden Buch für alle, die gerne im Fernshen die Sendung “XY Ungelöst” schauen und es ist für alle lohnend, die gerne kurze spannende Kriminalgeschichten lieben. Ich persönlich freue mich schon darauf, sein zweites Buch “Unheil – Warum jeder zum Mörder werden kann” zu lesen.

[Rezension] Erkenne den Lügner

Lügner erkennen beim Verhör

Einer meiner größten Träume und Wünsche soll anhand des Buches “Erkenne den Lügner” endlich wahr werden: In einem Verhör sitzen und sofort erkennen, wann der Befragte auf meine Fragen hin lügt und wann er die Wahrheit sagt.
Das war der Grund, weshalb ich mich mit dem Buch “Erkenne den Lügner” von Philip Houston und Don Tennant aus dem mvg-verlag- Verlag beschäftigte. Quasi, die Fähigkeiten der Hauptperson Dr. Cal Lightman von “Lie to Me” mit dem Lesen eines einzigen Buches lernen, um sofort alle Lügen erkennen und ad absurdum führen.

Über den Wahrheitsgehalt der Fallbeispiele

Die Recherche im Internet über das Buch lieferte die verschiedensten Meinungen. Es gab Stimmen, die das Buch in der Luft zerrissen und Stimmen, die es in den höchsten Tönen lobten. Ein Grund mehr, Neugierig zu sein und meinen Eindruck als Rezension niederzuschreiben.
Die drei Urheber des Buches, Philip Houston, Michael Floyd und Susan Carnicero sind Gründungspartner on Qverity, einem Unternehmen, das weltweite Schulungen und Beratungen bei Detektions- Überprüfungs- und Befragungstechniken anbietet. Den eigenen Angaben nach sind alle drei Urheber langjährige Mitarbeiter des CIA und der NSA und auf Befragungs- und Interviewtechniken spezialisiert.
Der Autor Don Tennant arbeitete für die NSA und übernahm mit dem Posten des Chefredakteurs der Zeitschrift Computerworld journalistische Tätigkeiten. Später wurde er Verlagsleiter von Computerworld und InfoWorld. Seine Kolumnen wurden mit zahlreichen Goldmedaillen ausgezeichnet.
Erkenne den Lügner
Buchcover “Erkenne den Lügner”
Auf der Internetseite http://www.qverty.com ist zu lesen, dass die vier Autoren insgesamt drei Bücher veröffentlicht haben.

Um was geht’s?

Das Buch “Erkenne den Lügner” wirbt damit, wie die drei ehemaligen CIA-Mitarbeiter als ausgewiesene Experten die von Phil Houston entwickelten Techniken bei der Aufdeckung von Verbrechen einsetzen und wie man diese Erkenntnisse auch im Alltag anwenden kann. Mithilfe von Fallbeispielen würden sie veranschaulichen, wie man es anstellt, seinem Gegenüber auf die Schliche zu kommen und ihm die Wahrheit entlocken. Daher sei “Erkenne den Lügner” ein hervorragender Ratgeber, um ein für alle Mal Lügen zu enttarnen: die der Kinder, des Partners, der Freunde und der Kollegen.
Kann das wirklich funktionieren? Lügner und Lügen erkennen, ohne zumindest Psychologie  studiert zu haben? Der Blick in das Inhaltsverzeichnis zeigt, dass alle wichtigen Themen angerissen werden und der Aufbau erscheint logisch: Themen, wie “Warum es uns so schwerfällt, Lügnern auf die Spur zu kommen”, “Welche Hindernisse stehen der Entlarvung von Lügen im Weg?”, “Ein paar Grundprinzipien der Lügendetektion”, “Das Täuschungs-Paradoxon: Warum man die Wahrheit ignorieren muss, um sie zu finden” und “Wie Lügner sich herausreden” stellen mehr oder weniger die Grundlagen dar. Die erfolgreiche Anwendung der Methode zur Aufdeckung von Lügen wird in allen Kapiteln durch Erzählungen von Fallbeispielen bewiesen. Dabei spielt das Kapitel “Die überzeugendsten Lügen” eine besondere Rolle, da in diesem Kapitel besonders glaubhafte Lügen beschrieben werden und dennoch werden sie als Lügen entlarvt.
Dem durch die Fernsehserie “Lie to Me” bekanntem Thema “Optische Lügenindizien” wird ebenfalls ein ganzes Kapitel gewidmet und schließlich erklärt der Autor, wie man die richtigen Fragen stellt, um die richtigen Antworten zu bekommen. Am Ende des Buches erhält der Leser eine Auflistung an richtig gestellte Fragen für alle Situationen des Lebens; ob zur Aufklärung eines Verbrechens, zur Befragung der Kinder in Bezug auf die Schule oder den Umgang mit Drogen oder Befragungstechniken, um herauszufinden, ob der Ehepartner fremd geht oder nicht.

Klischeehaft: Typisch Amis

Die Einleitung des Buches fällt in das Klischee “typisch amerikanisch”. Es beginnt mit der Beschreibung des 11. September 2001. Der Leser erhält eine kurze Beschreibung des Ground Zero in New York, nachdem Terroristen Verkehrsflugzeuge in das Word Trade Center lenkten. Außerdem beschreiben die Autoren die Absturzstelle der United-Airlines-Maschine mit der Flugnummer 93 in n der Nähe von Shanksville (Pennsylvania) und das Attentat auf das Pentagon. Schreckliche Ereignisse. Nur, was hat das mit dem Erkennen von Lügen zu tun? Diese Frage stellt sich unweigerlich dem Leser und sie wird auch nur umständlich und kaum nachvollziehbar beantwortet. In erster Linie ging es eher darum, Spannung durch die Beschreibung der Terroranschläge zu erzeugen. Die Hinführung zum Thema, dem Erkennen von Lügnern gelingt in der Einleitung nicht wirklich. Macht ja nichts – es ist ja nur die Einleitung. Unterhaltsam ist sie allemal. Allerdings musste ich darüber nachdenken, ob es ethisch und moralisch legitim ist, die Beschreibung solch eines schrecklichen Anschlages für Unterhaltungszwecke zu nutzen.

Nach der Einleitung wird es ernst

Die verschiedenen Kapitel besitzen mehr oder weniger einen klassischen Aufbau, der mehr oder weniger in allen Kapiteln gleich bleibt. Das erste Kapitel “Warum es uns so schwerfällt, Lügnern auf die Spur zu kommen” beschreibt die Situation, dass Phil einen Agenten befragen soll und Phil die Befragung für eine Routinebefragung hält . Um sich auf die Befragung vorzubereiten, betrachtete sich Phil die Akte des Agenten – der im Folgenden Omar genannt wird – sehr genau an. “Er studierte die Berichte über Omars frühere Aktivitäten Wort für Wort. Als er die Akte wieder schloss, war er zufrieden: Das würde ein leichtes Gespräch werden. Omar hatte ganz offensichtlich nichts zu verbergen.”
Das Buch lebt wie in dem gerade zitierten Text davon, Szenen zu beschreiben. Beispielsweise beschreibt der Autor nun, wie Phil seiner Frau erzählt, dass das ein leichtes Gespräch werden würde und er ganz sicherlich in zwei Stunden wieder zuhause sein würde. Diese Abschweifung benötigt der Autor, um später zu unterstreichen, dass man ohne Voreingenommenheit an ein Gespräch oder in eine Befragung hinein gehen muss. Die Geschichte erzählt der Autor weiter, indem sich Phil mit dem zu befragenden Agenten Omar in einem Hotel traf.
Er setzte sich auf Sofa und forderte Omar auf, in dem Sessel neben ihm Platz zu nehmen. Phil hatte schon Hunderte ähnlicher Gespräche geführt, das alles war reine Routine für ihn. In lockerem, aber geschäftsmäßigem Ton ging er die Liste seiner Standardfragen durch. Wie erwartet beantwortete Omar alle Fragen wie aus der Pistole geschossen und schien sich dabei kein einziges Mal unwohl in seiner Haut zu fühlen. Nach 20-jähriger Erfahrung kannte auch er das Proceedere, das merkte man ihm deutlich an. ‘Sie arbeiten nun schon jahrelang für uns’, sagte Phil. ‘Waren Sie denn auch schon mal für einen anderen Auftraggeber tätig?’ Eine legere Formulierung über die Frage, die er diesem langjährigen, altbewährten Agenten stellen musste: Hatte er jemals für die ‘bösen Jungs’ gearbeitet? Omars Reaktion verblüffte Phil. Er zögerte mit der Antwort, rutschte unruhig in seinem Sessel hin und her und stellte dann mit sichtbarem Unbehagen die Gegenfrage: ‘Macht es Ihnen etwas aus, wenn ich bete?‘”

Nach einer weiteren Seite Buchbeschreibung, in dem der Autor darauf eingeht, wie Omar betete, hatte Phil die Vermutung, dass Omar nicht ganz die Wahrheit sagte. Omar war überführt.Omars verbale und nichtverbale Reaktionen auf diese Frage (Gibt es etwa Grund zur Besorgnis?) verrieten Phil, dass es nun an der Zeit war, seinem Gesprächspartner die entscheidenden Informationen zu entlocken. Er besann sich auf seine in Jahrelanger Übung vervollkommneten konfrontationsfreien Verhörstrategien und verwandelte sich in eine Art menschliches GPS, das mit unfehlbarer Sicherheit auf sein Zusteuerte: ein Geständnis. Und dieses Ziel erreichte Phil schneller, als er erwartet hatte. Innerhalb einer knappen Stunde gab Omar zu, dass er in all den 20 Jahren seiner Tätigkeit als CIA-Agent gleichzeitig auch noch für den Geheimdienst eines feindlichen Landes gearbeitet hatte.
Fantastisch! Ein paar Fragen, und schon gibt ein langjähriger Doppelagent zu, dass er für die ‘bösen Jungs’ gearbeitet hat. Ich möchte hierzu keinen Kommentar abgeben und nahtlos zum nächsten Kapitel übergehen, dass da heißt: “Welche Hindernisse stehen der Entlarvung von Lügen im Weg?” und beginne direkt mit einem Zitat:
 Wenn Ihnen zum Beispiel jemand weismachen will, er sei von 2008 bis 2009 Torwart bei den Stuttgarter Kickers gewesen, und Sie haben den Werdegang dieser Fußballmannschaft genau verfolgt, dann wissen, dass dieser Mensch Sie angelogen haben muss.
Der geneigte Leser mag ein wenig überrascht sein. Die Einleitung des Buches war typisch amerikanisch mit der Beschreibung des Terroranschlags am 11. September 2001, es wird ständig unterstrichen, dass es sich um die Erfahrungen des CIA handelt, die durch dieses Buch vermittelt werden sollen und mit einem Mal wird ein für die Amerikaner nahezu unbekannte Fußball und noch besser die Stuttgarter Kickers als Beispiel herangezogen.
Auffallend in dem Buch sind die zahlreichen Thesen, die in nahezu allen Geschichten beziehungsweise “Fallbeispielen” ohne weiteren Beweis in den Raum gestellt werden. Wir sind fest davon überzeugt, dass uns niemand anlügen wird. Oder. Wir wollen unseren Mitmenschen ganz einfach glauben. Das Problem ist nur, dass der Mensch tatsächlich lügt, und zwar sehr oft.
Diese Thesen mögen vielleicht stimmen. Vielleicht aber auch nicht. Meine Erfahrung, die ich tagtäglich sammle, sagen mir etwas anderes. Wenn ich beispielsweise meine Tochter frage, ob sie ihre Hausaufgaben gemacht hat und sie antwortet mir, sie hätte gar keine aufgehabt, dann gehe ich instinktiv davon aus, beschwindelt worden zu sein.
Doch das Buch lebt nicht nur von Thesen, sondern auch von allgemeinen, im Grunde genommen nichts sagende Phrasen: Kommunikation ist ein komplexes Phänomen oder “Jeder Mensch ist zwangsläufig voreingenommen.
Solche Textpassagen helfen nicht unbedingt weiter, Lügner zu erkennen. Doch der Autor vergisst nicht, am Ende des zweiten Kapitels Hoffnung einzubauen. “Wir müssen diesen Informationsfluss, der auf uns einströmt, also in die richtigen Bahnen lenken, und das geht nur mit einer systematischen Vorgehensweise, die alle irrelevanten Daten herausfiltert. Mit der Methode, die wir Ihnen in diesem Buch vorstellen, können Sie genau das erreichen.
Beendet wird das Kapitel mit einem der zahlreichen Fallbeispiele. Diesmal wird ein Beispiel gewählt, welches dem Leser als geeignet erscheinen soll, die Methoden, die es noch zu erlenen gilt, überall zu verwenden. Auch Privat.
In dieser Geschichte erzählt der Autor, dass einmal Susan mit ihrer kleinen Tochter Lauren und ihrer Freundin Cindy Urlaub in einer Ferienanlage auf Jamaika machte.  Sie engagierten noch ein Kindermädchen, das sich um Lauren kümmern sollte. Schließlich wurde zweimal Geld entwendet. Doch kurz vor diesem Urlaub hätte  Susan und Cindy zum ersten Mal von dem Lügendetektionsverfahren gehört. Sie meldete daher den Diebstahl beim Hoteldirektor und baten ihn, mit dem Kindermädchen sprechen zu dürfen, was der Direktor zunächst verweigerte, da er keinen Sinn in einer Befragung durch Susan erkennen konnte. Schließlich würde das Kindermädchen den Diebstahl sowieso nicht zugeben. Doch Susan bestand auf dem Gespräch. Der Direktor stimmte schließlich zu, bat sich aber aus, dass Susan das Kindermädchen nicht schlagen dürfe, um ein Geständnis aus ihr herauszupressen. Zum Glück hatte Susan das auch gar nicht vor.
Zunächst fragte Susan das Kindermädchen direkt, ob sie das Geld entwendet hatte. Das Kindermädchen zeigte sich brüskiert. Die Antwort des Kindermädchens “Ich hab’ mich doch um Lauren gekümmert“, lässt Susan zögern. Sie könnte ja die Wahrheit gesagt haben. Dann setzt sie zum Angriff mit der Fragestellung, welchen Grund es geben könnte, dass die Haushälterin sagen könnte, sie hätte das Kindermädchen an Susans Geldbeutel gesehen.” Diese Frage war fast das K.O. für das Kindermädchen. Susan setzt daher nach mit einer sogenannten Verdachtsfrage, wie der Autor diesen Fragetypus beschreibt, die da lautet: “Was haben Sie mit dem Geld gemacht?” Das Kindermädchen entschuldigt sich darauf hin, greift in ihrem BH und holt das gestohlene Geld heraus.
Diese Art der Geschichten zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Es sind letztendlich eine Handvoll Fragen, die den Lügner sofort zu einem Bekenntnis und zu Geständnissen verleiten lassen. Und genau das macht das Buch so unglaubwürdig. Manche der Geschichten sind lehrreich, manche unterhaltsam, einige passen überhaupt nicht zu dem, was der Autor uns sagen möchte. In dem Kapitel “Warum man die Wahrheit ignorieren muss, um sie zu finden” erzählt der Autor von Phil, wie er ein Verhör in einer Firma durchführte. Ein Mitarbeiter wurde beschuldigt, einer Mitarbeiterin ein paar Dollars geklaut zu haben. Mitten im Verhör bat der Beschuldigte, mit Phil zusammen auf den Firmenparkplatz gehen zu dürfen. Dort zeigte er ihm einen Kofferraum voller Bibeln. Als Leser tut man sich schon schwer, den Zusammenhang dieser Geschichte mit der Überschrift des Kapitels in Verbindung zu bringen. Der Autor geht zwar im Laufe des Kapitels darauf ein, doch das Lesevergnügen ist zunächst unterbrochen.
Tatsächlich lehrreich ist das Kapitel “Wie Lügner sich herausreden”. Hier geht der Autor intensiv auf rhetorische Feinheiten ein. Es geht dabei um Formulierungen, die bei Antworten benutzt werden, um nicht auf die Frage direkt antworten zu müssen. Das Kapitel ist übersichtlich strukturiert, klar gegliedert, einsichtig und logisch erzählt.
Beispielsweise beschreibt er die Formulierungen, die Befragte geben, wenn Sie ein selektives Gedächtnis besitzen: “Nicht, dass ich wüsste …”, “Soviel ich weiß …”, “Ich kann mich nicht daran erinnern …”, “… nach bestem Wissen …” und “Soweit ich mich erinnere ..” sind Floskeln, die man tatsächlich tagtäglich hört. Beim Lesen dieses Kapitels erinnerte ich mich spontan an den Untersuchungsausschuss der sogenannten “schwarzen Kassen” der Partei der CDU, bei dem sich der jetzige Finanzminister Schäuble einfach mal nicht mehr daran erinnern konnte, 50.000 DM von einem Waffenschieber namens Schreiber erhalten zu haben. Offensichtlich reicht tatsächlich die Antwort “ich kann mich nicht mehr daran erinnern …” völlig aus.
Äußerst unterhaltsam ist die an dieses Kapitel angegliederte Geschichte des Radioreporters, der einen Politiker interviewt. Durch seine Fragetechniken bringt er den Politiker völlig aus dem Gleichgewicht …
Leider ist dieses Kapitel das einzige, welches unterhaltsam und lehrreich zugleich ist. Da die meisten Geschichten für mich den Touch der Unglaubwürdigkeit haben, wirken sie auf mich langweilig und an den Haaren herbeigezogen. Lehrreich sind sie für mich auf keinen Fall.
Herausragend ist die Geschichte und die Auszüge aus dem Verhörprotokoll von O.J. Simpson, dem Weltklasse- Footballspieler, dessen Fall weltweit Furore machte. Er wurde beschuldigt, einen Doppelmord begangen zu haben. Anhand dieser durchaus spannend geschilderten Geschichte werden verschiedene Fragetechniken erläutert. Langsam verlässt dann der Autor den Fall O.J. Simpson und erklärt grundsätzliche Theorien um Fragestellungen wie beispielsweise, was offene und geschlossene Fragen, Verdachtsfragen, Köderfragen, Meinungsfragen und allgemeine Fragen sind, wann man sie anwendet und wann welcher Fragetypus Vorteile bietet. Ob nun O.J. Simpson nach Autorenmeinung nach die Wahrheit oder Unwahrheit gesagt hat, erfährt der Leser leider nicht.
Meiner Meinung nach ist dieses Kapitel nicht schlecht, aber etwas wirklich Neues bietet das Kapitel nicht mehr. Die Fragen kamen alle schon in den vorherigen Kapiteln vor.

Fazit

Das Buch bietet nicht das, was es verspricht. Für meinen Geschmack sind zu viele allgemeine Lebensweisheiten darin. Zu viele Thesen, zu viele Unterstellungen und zu viele Klischees. Politiker sind grundsätzlich Lügner, Mitarbeiter der CIA sind grundsätzlich die Guten usw.
Die Befragungen aller Geschichten führen dazu, dass sich plötzlich und unvermittelt der Lügner selbst entlarvt und er reumütig die Wahrheit erzählt. So funktioniert das im wirklichen Leben nicht. Das Buch gibt zwar ein paar wirklich gute Ansätze, die es jedoch nicht wett machen, das Buch deswegen zu lesen. Wer es bewusst zur Unterhaltungs liest und nicht zum Erlernen, wie man Lügner erkennt, ist schon besser aufgehoben. Mich erinnert es an die Bücher von  Dale Carnegie oder Dr. Joseph Murphy  mit ihren Lebensweisheiten. Zahlreiche Leser mögen diese Art von Büchern mit netten Geschichten, die innerhalb einer Episode Ratschläge für das tägliche Leben geben, hilfreich, lehrreich oder zumindest unterhaltsam finden. Für diese Leser ist das Buch gut geeignet. Die Leser, die in “Erkenne den Lügner” ein Lehrbuch der CIA erwarten, werden höchstwahrscheinlich enttäuscht sein.
Das Buch ist als broschierte Ausgabe im mvg-Verlag erschienen und kostet 16,99 €. Eine Kindle-Edition ist für 12,99 € erhältlich.
(ISBN 978-3-86882-495-7). 2014 by mvg Verlag,

Der Hohentwiel ganz rechts

Der Hohentwiel, ganz rechts

Der Hohentwiel, ganz rechts

Ein Mann wird am Hohentwiel erschossen. Der frischgebackene Kriminalkommissar Florian Horn soll es gewesen sein.

 Die Story

»Der Hohentwiel, ganz rechts« (Arbeitstitel) ist ein Kriminalroman, dessen Handlung im Jahre 2013 spielt; in der Zeit, in der der NSU-Skandal aufgedeckt wird. Er spielt in Singen am Hohentwiel und die Geschichte ist prädestiniert für diese Stadt. Singen wurde vor rund 120 Jahren in der Industrialisierung hochgezogen und besitzt überdurchschnittlich viele Bewohner mit Migrationshintergrund.
Florian ist bei einer Observation des Geschäftsführers eines mutmaßlich rechtsradikalen Heimatvereins unvorsichtig, wird überrumpelt, bewusstlos geschlagen und wacht neben einer Leiche auf. Sein Chef beschuldigt ihn, diesen Mann erschossen zu haben.
Hohentwiel HornUm Florian anzuklagen, reichen dem Staatsanwalt die vorgelegten Beweise nicht. Florian kann zunächst auf freiem Fuß bleiben und nutzt die Zeit, um seine Unschuld zu beweisen. Dabei gerät er immer weiter unter Druck seines Vorgesetzten, der alles tut, um Florian immer weiter zu belasten. Dadurch stellt sich für Florian eine zweite Aufgabe: herauszufinden, weshalb sein Vorgesetzter alles dafür tut, um Florian in den Knast zu bekommen. Durch manipulierte Beweise und durch Erpressung zwingt Florians Chef ihn dazu, den Dienst bei der Polizei zu quittieren. Im Laufe der Geschichte wird Florian bei der Suche nach entlastendem Material ein zweites Mal unvorsichtig: Er wird bei einer illegalen Wohnungsdurchsuchung gefilmt und das von ihm geklaute Beweismaterial holt sich der Besitzer zurück. Dazu bedroht er die Lebensgefährtin von Florian. Diese ist anschließend so sauer, dass sie die Beziehung mit Florian beendet. Somit hat Florian alles verloren, was ihm bislang wichtig gewesen war: seinen Job, seine Beziehung und das Wichtigste – seinen Glauben an den Rechtsstaat.
Florian beweist, dass die von ihm observierte Person ein in die rechtsradikale Szene eingeschleuster V-Mann ist. Florians Chef versucht nun noch mehr, Florian hinter Schloss und Riegel zu bekommen – er kauft einen Zeugen, der gesehen haben soll, wie Florian das Vereinsmitglied erschossen hat. Florian flüchtet, findet den Zeugen und kann dadurch beweisen, dass ihn sein Vorgesetzter ungerechtfertigt belastet. Es scheint, dass der Vorgesetzte den Fall schnellstmöglich abschließen wollte und daher die Beweise manipulierte. Durch die erbrachten Beweise ist endlich der Staatsanwalt auf Florians Seite, hält ihn für unschuldig und wird schließlich ermordet. Jetzt bricht alle Hoffnung zusammen.

Der aktuelle Stand

Im Moment entsteht die zweite Romangeschichte mit dem Arbeitstitel »Der Hegau in rechter Verfassung”. Der Roman »Der Hohentwiel, ganz rechts« sucht einen Verleger, der das Buch veröffentlichen möchte. Der Autor, Uwe Johnen, richtet im Moment sein Hauptaugenmerk auf das Schreiben des zweiten großen Romans, um anschließend in aller Ruhe für den »Der Hohentwiel, ganz rechts« einen Verleger zu suchen. Also: diese Geschichte ist noch nicht veröffentlicht. Sobald der zweite Roman fertig gestellt ist, wird die Verlagssuche in Angriff genommen.

 

Florian Horn zum Kennenlernen

Zwischen den “großen” Ermittlungen hat Kriminalkommissar Horn immer wieder “kleinere” Ermittlungsfälle. Diese “Akten” wird Hegaukrimis.de veröffentlichen und auch als Download im E-Pub-Format oder als PDF anbieten.

 

Aachleiche

Der neue Roman “Aachleiche”

Juli 2015 in Europa: Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble droht Griechenland mit einem zeitlich befristeten Austritt aus der Eurozone. Der griechische Premierminister Alexis Tsipras zahlt den Geldgebern die Schulden nicht zurück und redet vom Schuldenschnitt. Die gut betuchten Griechen schaffen ihr Geld außer Landes, während die Rentner und Arbeitslose nicht einmal mehr an ihr weniges Bargeld kommen, weil die Banken nicht mehr öffnen und sie keine Möglichkeiten haben, über Geldautomaten ihr Geld zu erhalten. Die Arbeitslosenquote liegt bei den Jugendlichen bei knapp 50%: Griechenland versinkt in ein soziales Chaos.
Während ganz Europa nach Griechenland blickt, versucht Kriminalkommissar Horn den Mörder zu finden, dessen Opfer in dem kleinen Flüsschen Aach gefunden wurde. Es ist zum Verzweifeln, denn er tapp lange Zeit im Dunkeln. Erst im Laufe der Zeit wird es ihm möglich sein, die Zusammenhänge zu erkennen: das politische Berlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble an der Spitze haben die Situation in Griechenland derart eskalieren lassen, dass die Kriminalität in Griechenland auf fruchtbaren Boden gefallen ist und kriminelle Machenschaften bis in den Hegau hinein ihre Fäden ziehen. Kriminalkommissar Horn bleibt wenig Zeit, den Mörder zu überführen. Denn der Mörder hat bereits zwei weitere Opfer in seinen Händen.

Aachleiche

AachleichePassanten finden in der Aach, die durch den Singener Stadtgarten fließt, eine männliche Leiche. Kriminalkommissar Florian Horn tappt im Dunkeln.
Dimitra, eine griechische Studentin aus Athen, lernt die Schattenseiten der Eurozone kennen. Ihre Mutter ist arbeitslos, ihr Opa kommt an kein Bargeld, weil die Banken nicht mehr öffnen. Kein Wunder, dass sich Dimitras Mutter erhofft, in Deutschland Euros verdienen zu können. Schon bald befinden sich die beiden griechischen Frauen in größter Gefahr und es liegt an Florian, mit seinem Spürsinn die beiden zu finden. Was er zu der Zeit noch nicht weiß: Wenn er den Mörder der Aachleiche findet, dann kann er auch den beiden Griechinnen helfen.
Zum Download: Aachleiche